Erlebnisse auf Reisen – Teil 2

Zum zweiten Mal alleine in Berlin.

Und schon wieder habe ich es getan. Zum zweiten Mal war ich jetzt bereits alleine in Berlin. Und – wie sollte es anders sein – wieder für ein Konzert. Diesmal haben mich die Queens of the Stone Age nach Berlin “gezogen”. Diese Band live zu sehen stand definitiv noch auf meiner Liste der Dinge die ich getan haben möchte. Vor zwei Wochen war es also so weit und meine Reise nach Berlin startete.

Samstag, 11.11.2017: Samstagmorgen. Ausschlafen? Fehlanzeige! Heute geht es nach Berlin. Bereits im Vorfeld habe ich zwei Emails der Deutschen Bahn bekommen. Verspätungsalarm. Zwei Emails die mich warnen: “Vorsicht – Sie könnten Ihren Anschlusszug verpassen.” … bevor der Zug überhaupt im Bahnhof angekommen ist? Wie soll das denn gehen? Aber gut, dann halt anders. Mehr zufällig komme ich früher am Bahnhof in Wiesbaden an und kann somit auch einen früheren Zug nach Frankfurt erwischen. Während ich es mir im Zug gemütlich mache erreicht mich eine weitere Verspätungsalarm-Email der Deutschen Bahn. Ha! Ausgetrickst. Meinen Anschluss in Frankfurt erwische ich durch den früheren Zug natürlich und kann mir vorher sogar noch beim Bäcker etwas Verpflegung für die lange Bahnfahrt besorgen. Yippieh.

Viereinhalb Stunden und zahlreiche Podcast-Folgen später komme ich in Berlin an. Hallo, Berlin! Hast du mich auch vermisst? Mein Hunger führt mich in mein liebstes Restaurant am Berliner Hauptbahnhof, bei dem ich ersteinmal etwas leckeres esse. Es ist fast schon zur Tradition geworden, dass ich hier hin gehe wenn ich in Berlin bin. Diese Tradition möchte ich auf keinen Fall brechen. Ein Lachsfilet mit Bratkartoffeln bitte.

Die Deutsche Bahn-App hilft mir an diesem Wochenende nicht zum einzigen Mal den richtigen Weg zu finden. In der Tram riecht es nach einer Mischung aus Alkohol und anderen undefinierbaren Gerüchen. Das wahre Leben? Es wird besser, als ein paar Personen aussteigen. Mein erster Weg führt mich direkt zu meiner Unterkunft. Erstmal Einchecken und Sachen abstellen, dann sehe ich weiter. Im Gebäude sind einige Schulklassen unterwegs. Unterschiedliche Sprachen vernehme ich bereits an der Rezeption. “Brauchen Sie zwei Karten?” fragt mich die Rezeptionistin in gebrochenem Deutsch. Warum zur Hölle soll ich als Einzelperson zwei Karten für das Zimmer brauchen? Für meine gespaltene Persönlichkeit? Mein verdutzer Blick muss die Rezeptionistin verwirrt haben, weswegen sie ihre Kollegin um Hilfe bittet. Welche Sprache hätte ich wohl mit ihr sprechen sollen? “Wir haben da leider ein Problem mit der Berlin Welcome Card! Wir haben keine mehr da.” Waaaas? Wozu habe ich die denn im Vorfeld bestellt? Da hätte man sich aber auch besser darauf vorbereiten können. Aber gut, sich aufregen ändert nichts, dann besorge ich mir eben später zähneknirschend eine Fahrkarte am nächsten Service Center.

Aber zuerst möchte ich meine Sachen im Zimmer abstellen. Die Zimmerkarte scheint nicht zu funktionieren, jedenfalls kann ich weder die Tür öffnen noch das Zimmer betreten. Das fängt ja gut an! Mein Weg führt mich also ein zweites Mal zur Rezeption, wo ich nach kurzer Wartezeit eine neue Karte ausgehändigt bekomme. Endlich im Zimmer angekommen verrät mir ein Blick auf die Inneneinrichtung, warum ich gefragt wurde ob ich zwei Karten benötige: Es gibt zwei Betten. Ein schmaler Gang zwischen den zwei Betten führt zum Fenster. Hinter einem der Betten am Fenster stehen eine große Standlampe und ein kleiner Tisch. Vor dem anderen Bett gibt es einen Stuhl und eine Garderobe mit großem Spiegel sowie einen Mülleimer. Viel mehr gibt es hier nicht. Beim Buchen hatte ich extra darauf geachtet, ein Zimmer zu bekommen mit eigenem Bad. Sonst hätte ich die Toilette auf dem Flur benutzen müssen, was ich nicht ganz so gut finde. Das Bad ist allerdings genauso minimalistisch gehalten wie das restliche Zimmer – beim Haare kämmen am Spiegel stoße ich mit der Haarbürste bereits an die Badtür. Das Zimmer ist gefühlt so groß wie eine Nussschale. Aber gut – es ist nur eine Nacht die ich hier verbringe.

Da die Unterkunft nur wenige Meter vom Veranstaltungsort des Konzerts entfernt ist und der Bahnsteig – mehr oder weniger – auf dem Weg liegt, habe ich die Möglichkeit den Weg zum Veranstaltungsort im Hellen abzugehen. Das ist praktisch, dann kenne ich später bereits den Weg und verlaufe mich nicht.

Mit gültiger Fahrkarte bewaffnet fahre ich zu meinem ersten Ausflugsziel in Berlin – der Baustelle der zukünftigen Mall of Berlin in der Nähe der Haltestelle “Warschauer Straße”. Hier war ich bereits bei meinem ersten alleinigen Berlin-Ausflug. Sie sind mit ihren Bauarbeiten ein großes Stück weiter gekommen, aber noch immer nicht fertig. Eröffnung 2018. Na, dann kann ich ja vielleicht noch ein weiteres Mal gucken kommen wie weit die Bauarbeiten fortgeschritten sind.

Nachdem ich ein paar Fotos dort gemacht habe überlege ich wo ich als nächstes hinfahren kann. In der Zwischenzeit ist es dunkel geworden. Wie sieht eigentlich das Brandenburger Tor beleuchtet aus? Diese Frage treibt mich zu meinem nächsten Ziel. Fasziniert von dem wundervollen Anblick des erleuchteten Brandenburger Tors bleibe ich länger dort als geplant. Ein bisschen Zeit habe ich noch bis das Konzert beginnt, jedoch: Der eisige Wind und die Kälte treiben mich schließlich zurück Richtung Unterkunft, und somit in Richtung Konzert.

Alle stehen sie an. Die Schlange vor der Halle wird immer länger – und ich mittendrin. Vorne rührt sich etwas – die Türen gehen auf, die Menschenschlange bewegt sich. Personen- und Taschenkontrolle. Gefühlt ewig laufe ich im Gebäude im Kreis bis ich an meinem Platz ankomme, aber das nicht ohne mir unterwegs etwas zu Trinken zu besorgen. Habe ich das Gebäude schon umrundet? Ein bisschen Zeit bleibt noch bis das Konzert beginnt. Genug Zeit um die anderen Menschen zu beobachten. Ein einziges Gewusel, vorallem im Innenraum bzw. Stehbereich.

Nach einiger Zeit versucht die Vorband die Stimmung anzuheizen. Wer sind die? Und welche Sprache singen sie? Ziemlich ratlos sitze ich auf meinem Platz und versuche im Internet herauszufinden, um welche Band es sich handelt. Den Hüftschwung und das Headbangen hat der Sänger jedenfalls drauf, auch wenn mich die Musik nicht vom Hocker reißt. Der Anblick ist eher amüsant. Irgendwie scheine ich dieses Jahr nicht besonders viel Glück mit den Vorbands bei den Konzerten die ich besuche zu haben. Etwas erleichtert bin ich schon, als die Vorband die Bühne frei macht.

Wieder vergeht etwas Zeit bis Queens of the Stone Age endlich auf der Bühne stehen. Die Freude ist groß, aber was ist eigentlich mit dem Ton los? Etwas blechern klingen ihre Songs. Liegt das an der Location? Unmittelbar in meiner Nähe fallen mir ein paar Leute auf. Eine der Frauen tippt während des Konzertes tatsächlich wie wild auf ihrem Smartphone herum. Sie scheint sich gar nicht dafür zu interessieren was auf der Bühne abgeht, so vertieft ist sie. Eine andere Frau scheint eher Ausdruckstanz zu betreiben, zumindest tanzt sie wild fuchtelnd herum. Es würde mich nicht wundern, wenn ich auf dem einen oder anderen Bild ihre Arme wiederfinde. Am Rande bekomme ich mit, wie die beiden Personen neben mir auf Englisch über sie reden. Wo Menschen sind gibt es eben immer etwas zu reden. Und wer reden will, findet auch immer einen Grund, scheint mir. Nungut, ich bin schließlich wegen des Konzertes hier. Und – wenn man vom blechernen Klang absieht, war es auch recht gut. Die Reise nach Berlin hat sich für mich ohnehin gelohnt, Queens of the Stone Age höre ich mittlerweile seit über 5 Jahren – mit wachsender Begeisterung. Sie live zu sehen war die Krönung dessen.

Der Weg nach draußen dauert – wie jedes Mal – ewig, es ist ein einziges Gedrängel und Gequetsche. Endlich draußen und in der Unterkunft angekommen, mache ich mich bettfertig und sinke in die Federn. Es dauert etwas bis ich einschlafen kann. Auf dem Flur höre ich die anderen Gäste ab und zu rumlärmen. Ist es in Berlin üblich mitten in der Nacht auf den Fluren rumzuschreien wenn andere schlafen wollen? Hoffentlich ist die Tür richtig zu.

Sonntag, 12.11.2017: Am nächsten Morgen fühle ich mich trotz ausreichendem Schlaf etwas gerädert. Auf dem Flur herrscht Aufbruchsstimmung, Türen knallen, Aufzüge fahren. Nach dem Frühstück checke auch ich aus. Diese Unterkunft war mir suspekt und irgendwie wollte ich nur noch weg von hier. Von mir selbst würde ich behaupten, dass ich wirklich keine großen Ansprüche an meine Unterkunft stelle, vorallem wenn ich nur eine Nacht darin verbringe. Aber diese Unterkunft war doch sehr gewöhnungsbedürftig und beengt. Da weiß man seine eigenen vier Wände ganz anders zu schätzen.

Vollbepackt mache ich mich auf den Weg zur nächsten Haltestelle und fahre zum Alexanderplatz. Die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt sind hier in vollem Gange, ich beobachte ein Gefährt das einen der Stände zu einem anderen Fleck transportiert. Ein paar Meter weiter bleibe ich fasziniert bei einer Horde lärmender Stare stehen. Sie streiten sich um das gefundene Fressen und picken wie wild auf einen Pappkarton ein. Verrückt! Ein Weilchen beobachte ich das ganze Treiben interessiert bevor ich mich wieder auf den Weg zurück zur Haltestelle mache. Erneut fahre ich zur Haltestelle “Warschauer Straße”, diesmal bei Tageslicht.

In der Nähe ist die Spree, daran erinnere ich mich noch gut. Und einen großen Teil der Berliner Mauer gibt es hier zu bewundern. Bei meinem ersten alleinigen Berlin-Besuch im Juni war ich nur daran vorbeigelaufen. Das will ich nun ändern und mir das Ganze einmal genauer anschauen – auch um ein paar Fotos zu machen. Nach wie vor ist es auch heute recht kalt und windig. Meine Klamotten schützen nicht gut genug gegen die Kälte und mein Reisegepäck wird zunehmend schwerer und geht mir auf die Nerven. Ein paar Fotos später bin ich wieder auf dem Weg zur Haltestelle.

Diesmal führt mein Weg geradewegs zum Berliner Hauptbahnhof. Ein paar Stunden Zeit habe ich noch bis mein Zug ankommt. Genug Zeit um erneut mein liebstes Restaurant hier am Bahnhof aufzusuchen und etwas durch die Geschäfte zu tingeln. Wie viel Zeit kann man eigentlich im Hauptbahnhof verbringen? Immer wieder höre ich warnende Durchsagen, dass Taschendiebe im Hauptbahnhof unterwegs sind. Bitte passen Sie auf Ihr Gepäck auf. Habe ich eigentlich etwas Wertvolles dabei?

Mein Weg führt mich u.a. auch in einen Zeitungs-/Buchladen. Wahnsinn was es alles gibt, das ich nicht brauche. Neugierig schaue ich ob es auch ein Magazin für Minimalisten gibt. Anscheinend wurde es bereits wegminimalisiert, gefunden habe ich keines. Trotzdem macht es Spaß in dem Laden zu stöbern.

Jedoch bin ich froh, als endlich mein Zug in den Bahnhof einfährt. Da merke ich dann doch, dass ich so langsam lieber nach Hause möchte. Das kann allerdings auch am Gepäck liegen. So viel habe ich doch gar nicht eingepackt. Was ist denn da so schwer? Und – hätte ich die Sachen nicht irgendwo einschließen und später abholen können? Und warum überhaupt kommen mir solche Gedanken erst wenn es schon zu spät ist?

Es war schön, Berlin. Auf Wiedersehen.

Im Zug lerne ich ein paar interessante Menschen kennen, eine Dame bei mir am Vierertisch steigt auch in Frankfurt um in den Zug nach Wiesbaden, einer der Männer ist gebürtig aus Bingen aber zwischenzeitlich weggezogen. Daraus ergeben sich automatisch Gesprächsthemen. Wir sind aus derselben Gegend, waren alle das Wochenende in Berlin, was für ein Zufall. Hat man uns vielleicht absichtlich zusammengesetzt? An Podcast hören war jedenfalls durch die Gespräche nicht zu denken. Es ist Wahnsinn was man auf einer Bahnfahrt so alles über andere Menschen erfahren kann. Die Frage ist nur, ob man das möchte und offen dafür ist.

Immer wieder höre ich, wie viel Mut es kosten muss solche Reisen alleine zu machen. Dabei sehe ich zur Zeit immer mehr die genau das machen. Für mich hat es weniger mit Mut zu tun, mehr mit Erlebnissen. Mit Konzerten, die ich unbedingt erleben möchte. Mit Reisen die ich gemacht haben will. Mit Städten die ich mir ansehen möchte. Mir ist es nicht bewusst, dass es so mutig ist. Weil ich es machen möchte mache ich es auch. Und so habe ich schließlich immer etwas zu erzählen.

Wie sieht es bei dir aus – verreist du alleine?

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