10 Minuten täglich – wie Sport auch dein Leben verändern kann

Im Sportunterricht in der Schule war ich fast immer die Schlechteste, wurde oft als Letzte in die Teams gewählt. Nach jedem Lauf auf dem Sportplatz kam ich japsend und mit Seitenstechen – und sehr viel später als alle Anderen – im Ziel an. 25,5 Jahre hatte ich nicht viel mit Sport am Hut. Das hat sich geändert. Was mich dazu bewegt hat? Tja, meine Gesundheit.

Ganz sicher bin ich nicht urplötzlich eine Sportskanone geworden, nein, überhaupt nicht. Vielmehr war ich dazu gezwungen mich sportlich zu betätigen. Wer mich gezwungen hat? Mein Körper, ganz klar. Was war passiert? Nachdem ich vor ein paar Jahren mehrfach innerhalb von kurzer Zeit ohnmächtig wurde, saß ich schließlich bei meiner Ärztin. Sie sagte das sei normal bei jungen Frauen in meinem Alter. Mir hingegen machte es Angst. Was ist, wenn ich beim Autofahren ohnmächtig werde? Das wollte ich untersucht wissen. Diagnostiziert wurde nach ein paar Tests eine leichte Fehlfunktion meines Herzens – oh, ganz toll. „Machen Sie Ausdauersport.“ lautete der ärztliche Rat. ‚Ja klar, ich und Ausdauersport‘ … haha.

Das ist Ergometer. Ergometer wohnt jetzt hier.

Zusammen mit meinem damaligen Chef suchte ich – unabhängig davon ob ich es gut fand zukünftig Sport zu machen oder nicht – im Netz ein Ergometer aus und bestellte es. Ein bisschen Hilfe kam hierbei gerade recht – woher soll ich denn als Laie auch wissen was ein Ergometer so alles braucht? Ein paar Tage später wird mein Paket geliefert. Wenige Wochen später hatte ich das Ergometer aufgebaut und in Betrieb genommen. Alles funktionierte wie beschrieben. Klasse – jetzt kann es losgehen.

Ein wenig Überwindung kostete es mich schon das Ergometer regelmäßig zu nutzen. Mein Training startete ich mit 3 Minuten am Tag. Nach zwei Monaten erhöhte ich auf 5 Minuten täglich, später wurden es 8, dann 10 Minuten täglich. Weiter erhöhen würde ich die Zeit aber nicht. Zweimal in der Woche machte ich zusätzlich 20 Minuten Bauch-Beine-Po-Training zuhause mit Hilfe eines Youtube-Videos und jeden Morgen nach dem Aufstehen meine Kniebeugen. Damit kam ich gut zurecht, dafür konnte ich mir immer Zeit nehmen. Außerdem versuchte ich so viel wie möglich zu gehen, sprich: Brauche ich für kurze Strecken wirklich mein Auto? Habe ich genug Zeit die Dinge auch zu Fuß zu erledigen?

Aktivitätstracker gemietet

Mittlerweile habe ich außerdem ein Fitnessarmband für mich entdeckt, einen Aktivitätstracker. Auch die dazugehörige App ist wirklich klasse. Hier lässt sich alles Mögliche eintragen: wie viel man trinkt, was man isst. Mithilfe der App kann ich Ziele (Wie viel möchte ich trinken? Wie lange möchte ich schlafen? Wie viel möchte ich abnehmen?) festlegen und erhalte somit etwas Unterstützung. Die App zeigt sogar an wie lange ich geschlafen habe und wie ruhig oder unruhig. An das Armband habe ich mich schnell gewöhnt. Die Aufzeichnung von Trainingseinheiten (per GPS) ist hiermit ebenfalls möglich, vor einiger Zeit habe ich dies genutzt als ich spazieren war und konnte anschließend auf der Karte erkennen wann und wo ich die Straßenseite gewechselt habe. Fast schon gruselig.

Anfangs hatte ich den Aktivitätstracker gemietet um ihn auszuprobieren, aber nicht gleich kaufen zu müssen. Alles was ein Minimalist nicht besitzen muss ist erstmal gut. So hatte ich die Möglichkeit das Gerät zurück zu senden, falls es mir nicht gefällt. Jedoch habe ich mich nach Ablauf des Mietzeitraumes dafür entschieden es für einen symbolischen Preis von einem Euro käuflich zu erwerben.

Ich und Joggen? Niemals.

Das Ergometer benutze ich aktuell nicht mehr so häufig. Dafür hatte ich mir Anfang des Jahres in den Kopf gesetzt, dass ich am Barmer Womens Run in Frankfurt am 28.07.2018 teilnehmen möchte – zusammen mit ein paar Freundinnen – als Gruppe. Manchmal frage ich mich ehrlich wie ich immer auf solche Ideen komme. Noch nie zuvor bin ich gejoggt geschweige denn hatte ich daran gedacht. Im Gegenteil – ich hatte all die Jahre an dem Gedanken festgehalten: „Das ist nichts für mich!“

Anfang April überlegte ich: ‚Es wird so langsam Zeit dafür zu trainieren. Es braucht sicherlich als Untrainierte einige Zeit bis ich die 5 km schaffe.‘ Also warf ich mich in meine Sportklamotten und fing an zu joggen. Beim ersten Versuch kam ich gerade bis zur Straßenecke bevor ich japsend abbrechen musste. Das waren keine 200 m. Seitenstechen und Muskelkater am nächsten Tag inklusive. Herrje! Das konnte ja heiter werden.

In dieser Situation hatte ich zwei Möglichkeiten: Aufgeben oder Durchbeißen. Mit dem klaren Ziel vor Augen habe ich mich für Durchbeißen entschieden. Ab diesem Zeitpunkt ging ich regelmäßig joggen. Anfangs immer dieselbe Strecke. Ich hörte auf, wenn ich nicht mehr konnte und versuchte dabei gut auf mich und die Zeichen meines Körpers zu achten. Nach einer Weile erreichte ich – wie beim Ergometer – auch hier die 10 Minuten pro Tag. 10 Minuten – mehr wollte ich gar nicht schaffen. Das Gesetz der Minimalkonstanz. Es besagt, dass was auch immer du mit minimalem Aufwand jeden Tag machst, dir langfristig die größten Erfolge bringt.

Aber nicht nur die 10 Minuten joggen am Tag haben mir geholfen eine bessere Kondition zu entwickeln, zwischenzeitlich hatte es sich auch ergeben, dass ich mit einer guten Bekannten eine Laufgruppe gegründet habe. Nun ja, eigentlich kann man das Wort Gruppe dafür nicht verwenden, denn diese Gruppe besteht aus zwei Personen – ihr und mir. Wir sind vor dem Lauf regelmäßig ein- bis zweimal in der Woche zusammen laufen gewesen. Sie ist zwar etwas geübter im Joggen als ich, sagte aber es sei kein Problem für sie, sich meinem Tempo anzupassen. Perfekt! Gefühlt wurden die Laufpausen immer weniger, und das obwohl die Strecke durch den Wiesbadener Kurpark es teilweise in sich hat was die Steigungen angeht. Missen wollte ich das Ganze nicht mehr.

Das Gute am Joggen ansich ist außerdem, dass es wenig Aufwand bedarf und es fast überall machbar ist. Meine (Urlaubs-)Reisen haben mich beispielsweise nicht davon abgehalten zu joggen. Selbst Hamburg und Schwangau/Allgäu habe ich laufend erkundet. Meine Laufstrecke in Schwangau (siehe Beitragsbild) vermisse ich heute noch. Bei dieser Laufstrecke habe ich zum ersten Mal die 3 km-Marke geknackt. Beim Spaziergang entdeckte ich zufällig ein Schild mit der Aufschrift ‚Hohenschwangau 1,5 km‘ – und dachte mir, dass die Strecke hin- und zurück doch ein guter Anfang wäre um mich an die 5 km-Marke des Laufs in Frankfurt heranzuwagen. Challenge accepted.

An mich selbst hatte ich mittlerweile den Anspruch, dass ich die 3 km nonstop durchlaufen möchte. Und genau das habe ich letztendlich in Schwangau auch zum ersten Mal geschafft – dafür bin ich allerdings auch extrem langsam gejoggt – um nicht aus der Puste zu geraten. Dennoch ist es ein absolutes Erfolgserlebnis das geschafft zu haben. Und dann auch noch mit einer solch wunderschönen Kulisse wie Schloss Neuschwanstein und dem Tegelberg.

Während meiner Trainingszeit habe ich einen Beitrag eines Bekannten auf Facebook gelesen, der Personal Trainer ist.

Never skip your training on mondays.

Er ist der Meinung, dass montags der Kurs gelegt wird wie die gesamte restliche Woche laufen wird. Sprich: Wenn du montags schon sagst „Ach, heute mal nicht. Es war so ein harter Tag. Und eigentlich bin ich ja müde. Und überhaupt bin ich heute ja viel gelaufen.“ wird das deine restliche Woche (negativ) beeinflussen. Daran habe ich mich versucht zu halten.

Aber ich muss auch dazu sagen, dass ich nicht plötzlich lebensmüde geworden bin und mich trotz Herzproblemen verausgabt habe. Das Ganze Training fand mit der ausdrücklichen Genehmigung meiner Hausärztin statt. Sie hat mir sogar Tipps dafür gegeben. Für ihre Unterstützung bin ich ihr unendlich dankbar. Es gibt so viele großartige Menschen da draußen – ist das nicht wundervoll?

Kurz vorm Ziel.

Die Strecken, die ich lief, wurden immer länger und teilweise auch anspruchsvoller. Mittlerweile joggte ich nicht mehr nur ausschließlich auf ebenen Strecken sondern auch auf verschiedenen Untergründen: Asphalt, Waldweg, Wiesenweg, Schotter. Kein Untergrund schien vor mir sicher. Da es gerade in der Zeit vor dem Lauf sehr warm war (bis zu 30 Grad und teilweise sogar darüber) lief ich vorwiegend in den Abendstunden, in denen es etwas abgekühlt hatte. Wann immer ich loslief begegneten mir andere Jogger, die es mir gleich taten. Das bestätigte mir immer wieder, dass ich irgendetwas richtig gemacht haben musste.

Ca. eine Woche vor dem Lauf in Frankfurt überlegte ich, was ich währenddessen eigentlich anziehen möchte. ob ich dort auch meine ausgeleierte Yogahose anziehen kann? Ziemlich schnell verwarf ich den Gedanken und bestellte mir eine ordentliche Yogahose bzw. -leggins. Die Blöße wollte ich mir nicht geben vor 2.500 anderen Läuferinnen in einer ausgeleierten Yogahose zu joggen, die – zugegebenermaßen – nicht mehr sonderlich meinen Rundungen schmeichelt.

Die Zeit raste und der Lauf rückte immer näher. In der Woche vor dem Lauf bin ich an drei Abenden gelaufen. Montags habe ich 3,5 km geschafft, dienstags 3,6 km und donnerstags 4,5 km am Stück. Die 5 km-Grenze würde ich schon schaffen – so viel mehr ist das ja schließlich auch nicht. Die Strecken wurden immer länger und so langsam fragte ich mich ob mein Wohnort noch ausreichte für mein Vorhaben. Wurde mir Taunusstein zu klein?

Der Lauf. Jetzt geht’s los!

Der Tag des Laufes kam nun doch schneller als gedacht. Es war unheimlich warm, viel zu warm zum Joggen. Und normalerweise wäre ich niemals bei dieser Wärme – und schon gar nicht in der Mittagshitze – gelaufen. Aber nun ja, wenn man seine Teilnahme an so einer Veranstaltung plant lässt sich der Wetterbericht eben noch nicht genau vorhersagen. Und selbst wenn, muss er nicht zwangsläufig stimmen. Nun ja, es bringt nichts sich über Dinge zu beschweren die man nicht ändern kann.  ‚Viel trinken und etwas essen, dann geht das schon.‘

Auf dem Veranstaltungsgelände angekommen fing ich an meine Freundinnen zu suchen, mit denen ich als Gruppe starten würde. Naja, eigentlich suchte ich erst einmal den vereinbarten Treffpunkt – und dann meine Freundinnen. Mein Lauf-T-Shirt hatte ich bereits in der richtigen Größe besorgt. Recht schnell waren meine Freundinnen und ich vollzählig – mit einer Ausnahme. Da nicht mehr so viel Zeit war bis zum Lauf teilten wir uns auf und ein paar von uns stellten sich an, damit wir unsere T-Shirts mit unseren Namen bedrucken lassen konnten. Mit diesen T-Shirts waren wir offiziell als „Glitzerflitzer“ unterwegs. Anscheinend ist es beim Barmer Womens Run so, dass jedes Jahr unter einem anderen Motto steht. Mir begegneten auf dem Veranstaltungsgelände viele Frauen, die T-Shirts aus den vergangenen Jahren trugen. Ob das wohl die ‚alten Hasen‘ sind, die jedes Jahr dabei sind?

Toiletten, Getränke, Essen – es mangelte an nichts. Alles war sehr gut ausgeschildert, so dass ich mich schnell zurechtfand. Da dies mein erster Lauf war, hatte ich natürlich keinen Vergleich wie es bei anderen Veranstaltern organisiert ist. Drei meiner Freundinnen laufen regelmäßig und die andere Hälfte war zum ersten Mal dabei.

Die Bedingungen für den Lauf waren nicht ideal – die Hitze machte mir auch ohne Bewegung bereits zu schaffen. Es war einfach viel zu warm und während wir die 5 km joggten fing es auch noch an zu regnen. Dadurch kühlte es zwar von der Temperatur her ab, aber anschließend war der Waldboden rutschig. Das machte es nicht gerade einfacher. Dennoch tat der Regenschauer gut und auf dem Gelände gab es schließlich Duschen. Meine Freundinnen und ich hatten beschlossen uns – egal was passiert – nicht aufhalten zu lassen.

Vor dem Lauf hatte ich letztendlich so viel trainiert, dass Aufgeben überhaupt keine Option war. Meine Motivation reichte für zwei – und so kam es, dass ich meine Laufpartnerin aus unserer Gruppe auch gleich mit motivierte. Sie verriet mir, dass sie nicht so viel trainiert hatte und wir beschlossen einfach so langsam zu laufen, dass wir die 5 km locker durchlaufen können. Und genau das taten wir. Auf der Strecke gab es zwei Versorgungsstände, an denen man Wasser trinken konnte. Der erste Versorgungsstand war bereits komplett leer als wir dort ankamen, am zweiten Versorgungsstand konnten wir dann unsere Wasserflaschen auffüllen. Den zeitlichen Rückstand hatten wir schnell aufgeholt.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl als wir zusammen – das Ziel vor Augen – in die Commerzbank-Arena in Frankfurt hineinliefen und die Ziellinie in weniger als einer Stunde überquert hatten. Und das in einem körperlich guten Zustand. Genau das hatte ich mir gewünscht bevor wir losgelaufen sind.

Letztendlich habe ich mit meiner Laufpartnerin für 2019 bereits ausgemacht, dass wir die 8 km laufen werden. Zeit zum Trainieren ist ja bis dahin genug. 🙂

Rückschläge?

An manchen Tagen lief es besser als an anderen. Manchmal habe ich am Anfang der Woche eine längere Strecke geschafft als am Ende der Woche. Es geht nicht immer nur bergauf und es wird immer (kleinere) Rückschläge geben. Bei meinem Training habe ich immer wieder gemerkt, dass es auch stark auf Tagesform und Motivation ankommt. Davon sollte man sich – gerade am Anfang – nicht verunsichern lassen. Egal bei was.

An dieser Stelle und in diesem Zusammenhang möchte ich eine Sache nicht verschweigen: Mein Fuß schmerzte zunehmend. Anscheinend hatte ich ihm zu viel zugemutet. Bei jedem Schritt hatte ich Schmerzen, lediglich beim Joggen merkte ich nichts davon. Die Fußschmerzen haben mich auch dazu veranlasst, direkt nach dem 5 km Lauf in Frankfurt erst einmal eine Laufpause einzulegen und zuzusehen, dass mein Fuß sich erholen kann und die Erholung bekommt die er braucht. Letztendlich bin ich nun seit über 2 Monaten nicht gelaufen, möchte aber demnächst wieder damit anfangen – wenn auch nicht in dem Umfang wie vor dem Lauf.

Persönliches Fazit

War es einfach? Nein, war es nicht. Absolut nicht. Hat es sich gelohnt? Ja, unbedingt. Das hat so vieles verändert. Würdest du es wieder tun? Jederzeit.

Mir kann keiner mehr erzählen, dass eine Krankheit zwangsläufig von der Erreichung seiner Ziele abhält.

Mir kann keiner mehr erzählen, dass sich gesetzte Ziele mit dem nötigen Durchhaltevermögen und Konsequenz nicht erreichen lassen.

Allein für diese Erfahrung hat es sich für mich absolut gelohnt mit dem Joggen anzufangen.

Dein Wille ist dein stärkster Muskel – trainiere ihn!

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